Die Bewohnerinnen und Bewohner
Im östlichen Spessartviertel leben rund 3.280 Menschen. Das entspricht den demographischen Dimensionen einer Kleinstadt und gleichzeitig ist der Stadtteil damit Heimat für fast ein Zehntel der Dietzenbacher Bevölkerung. Unterstrichen wird der Charakter einer Kleinstadt in der Stadt durch die besondere Bevölkerungsstruktur.
Das östliche Spessartviertel ist ein ...
... multikulturell geprägter Stadtteil. 95% der Bewohnerinnen und Bewohner haben einen Migrationshintergrund. Weit über 80 Nationen und Sprachen sind im Stadtteil vertreten und leben überwiegend friedlich mit- und nebeneinander. Die beiden größten Einwanderergruppen stammen aus der Türkei und Marokko.
... überdurchschnittlich junger Stadtteil. Hier leben weit über 1.000 Kinder und Jugendliche. Die Familien des Viertels tragen damit wesentlich dazu bei, dass Dietzenbach - entgegen dem Bundestrend - auf eine stabile und vergleichsweise hohe Geburtenrate verweisen kann.
... eher armer Stadtteil. 25% aller Empfänger von Hilfen zum Lebensunterhalt leben im Spessartviertel. Bei den Kindern liegt dieser Wert sogar noch etwas höher. Fast ein Drittel aller Kinder von 0 bis 13 Jahre sind von Hilfe zum Lebensunterhalt abhängig (274 von 821 Kindern, Stand 11/1999, siehe Sozialbericht Dietzenbach 1999/2000).
... vertikaler Stadtteil. Mit zwei 17-, zwei 12- und einem 9-geschossigen Hochhäusern handelt es sich um ein Wohngebiet mit stark verdichteter Bebauung. 3.280 Menschen leben hier auf knapp 10 ha Fläche in 1019 Wohnungen zusammen. Ein erheblicher Anteil der Kinder lebt in beengten Wohnverhältnissen ohne eigenes Zimmer.
Stimmen zum Stadtteil
Hier und an anderer Stelle kommen immer wieder Bewohnerinnen und Bewohner zu Wort. Sie alle haben sich im Rahmen des Projekts "Passport", der etwas anderen Zwischenbilanz über die Sanierung und ihr Viertel geäußert.
Öztas Sevgi
Frau Öztas Sevgi wohnt seit September 2005 nicht mehr im Spessartviertel. Sie hat 25 Jahre hier gelebt. Sie ist nur deshalb ausgezogen, weil ihre Wohnung zu klein war und sie vor allen Dingen in der Wohnanlage keine Zukunft für ihre 3 Kinder sah. Dabei betont sie, dass bestimmte Negativbilder des Spessartviertels manifest sind, egal was sich in der Realität, im Leben dort, verändert. "Man hat immer noch Vorurteile, Vorurteile vom Hörensagen, Vorurteile von dem, was sie in der Zeitung lesen und glauben dann daran. Ich habe hier gerne gewohnt, 24 Jahre lang seit 1981. Ich bin hier groß geworden." Frau Sevgi äußert sich sehr positiv über die Nachbarschaft im Spessartviertel, die sie fast 1/4 Jahrhundert dort intensiv gelebt hat.
Ali Taheri
Herr Taheri ist seit mehreren Jahren Hausmeister in der Wohnanlage. In dieser Rolle betont er, hat er nicht nur technische Aufgaben, sondern vor allen Dingen sozialarbeiterische Aufgaben zu lösen. Er kritisiert, dass es für die Jugendlichen, die im Spessartviertel leben, kaum berufliche Beschäftigungsmöglichkeiten gibt und zudem die Freizeitbeschäftigungsmöglichkeiten in der Wohnanlage nicht vorhanden sind. Dies führe zu Ruhestörungen und Vandalismus.
Sein Plädoyer im Rahmen der Sanierung lautet, dass Aufenthaltsräume speziell für Jugendliche in der Wohnanlage geschaffen werden müssen und für die Jugendlichen ein Ansprechpartner regelmäßig zur Verfügung steht. Herr Taheri mag seine Arbeit in der Wohnanlage und ist stolz darauf, dass er sich im Laufe der Jahre das Vertrauen vieler Bewohner erarbeiten konnte. Dieses Vertrauen, das ihm auch die Jugendlichen entgegenbringen, führt dazu, dass er als Autorität und Ansprechpartner der Hausverwaltung respektiert und geachtet wird. Frage: "Wie würden Sie die Menschen, die hier leben, beschrieben?" Antwort: "Ich glaube, die Menschen sind genau gleich wie andere Menschen, die woanders leben."
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