Horst Winterstein

Der Rechtsanwalt und Hessischer Innenminister a. D., Horst Winterstein ist Projektbeauftragter und saniert unter Leitung der Nassauischen Heimstätte seit 1998 das Spessartviertel.

"Die Sanierung war überfällig! Das Wohnumfeld konnte in der Zwischenzeit sichtbar wohnlicher und menschlicher gestaltet werden. Die Eingangsbereiche, die Foyers, die Aufzugsvorbereiche wurden modernisiert, die nicht mehr nutzbaren Klingelanlagen und Briefkästen erneuert. Mit Zustimmung der Bewohner wurde ein Videosicherheitssystem installiert. Mit der Komplettsanierung der langen dunklen Etagenflure wurde begonnen, die Aufzüge, die wegen ihrer Funktionsunfähigkeit bis zu 2 Tagen stillstanden, wurden weitgehend erneuert. Diese Maßnahme steht unmittelbar vor dem Abschluss. Der Außenbereich der Wohnanlage wurde völlig neu gestaltet - orientiert an den Bedürfnissen der Vielzahl von Kindern und den Kommunikationsbedürfnissen der Erwachsenen.

Der Weg zu diesem Zwischenergebnis war nicht immer einfach, umso erfreulicher ist, dass die weit überwiegende Zahl der Bewohner die bisherigen Maßnahmen nicht nur begleiten, sondern in der Zwischenzeit auch honorieren."

Gerhard Kemmerer

Herr Kemmerer ist stellvertretender Schulleiter der Ernst-Reuter-Schule in Dietzenbach. 65 % der Schüler ausländischer Herkunft. Er erläutert, dass in den unterschiedlichen Zweigen der Schule im Bereich der Hauptschule der größte Teil der Schüler ausländischer Herkunft ist. In der Realschule sind das 60 %. Im Gymnasialzweig der Schule liegt der Ausländeranteil bei ca. 30 %. Je höher das Bildungsniveau wird, desto weniger repräsentiert sind die ausländischen Schüler in den unterschiedlichen Schulzweigen der Schule.

"Der Schüler hat wesentlich schlechtere Lernbedingungen zu Hause. Das sind so die Bildungshintergründe. Im Elternhaus, das bildungsfern ist, ist Analphabetismus zum Teil sehr weit verbreitet. Bei den Müttern herrschen kaum oder keine Kenntnisse der deutschen Sprache vor. Das führt dazu, dass die Schüler mit erheblichen Sprachdefiziten im Unterricht nicht zurechtkommen und sie können das nicht kompensieren. Das führt natürlich auch dazu, dass der Schulerfolg nicht so ist, wie er, sagen wir mal, sein könnte, wenn das intellektuelle Potential vieler Schüler ausgeschöpft würde. Das ist so die Hauptproblematik.(...) Die Schüler haben einfach nicht die Unterstützung des Elternhauses. Viele Kinder haben häusliche Verhältnisse, die können sie sich kaum ausmalen. Manche Kinder verfügen nicht über ein eigenes Bett, die schlafen im Wohnzimmer. Wenn ein Schüler noch nicht einmal ein Bett hat, dann hat er garantiert auch keinen Schreibtisch oder irgendeine Stelle, wo er sich niederlassen kann, um Hausaufgaben zu machen. Das bedeutet, der kommt schon mit Stress in die Schule."

Frage: "Welche Einstellung haben die Eltern denn auf den Elternabenden denn gegenüber der Schule oder gegenüber der Entwicklung ihrer Kinder?"

Herr Kemmerer: "Es ist auch so, dass wir ziemlich schlecht an die Eltern herankommen aufgrund der Sprachbarrieren. Sie können kaum deutsch sprechen." Herr Kemmerer führt aus, dass die Wohnumgebung und die dort vorherrschenden Segregationsszenarien das Bedürfnis behindern, die deutsche Sprache zu lernen. Die Verwandtschaft wohnt in der Nachbarschaft und deshalb gebe es keine Notwendigkeit dazu.

Herr Kemmerer sagt: "Was ich so ein bisschen vermisse, das ist die Sympathie für unsere Kultur, das offen sein.(...) Gegenseitige Einladungen der Schüler zu Geburtstagen, Freundschaften, das findet so nicht statt. Wir haben Klassen, da sind die Deutschen total isoliert."

Frage: "Hat sich bei den Schülern etwas in ihrer Einstellung zu ihrem Wohnumfeld seit der Durchführung der Sanierungsmaßnahme imSpessartviertel geändert?"

Herr Kemmerer: "In der überwiegenden Mehrheit ja. Die Schüler sind schon stolz. Die sehen, wie toll das hier geworden ist und was da für Geld hinein geflossen ist. Das ist auch ein wichtiges Zeichen. Deshalb denke ich mal, ist es hier ein erheblicher Unterschied zu Frankreich. Wir sind hier keine Ghettoschule, sondern hier hat das Gemeinwesen sehr viel Geld investiert und dokumentiert den Leuten: Moment einmal, eure Bildung! Ihr seid uns etwas wert! Das hier ist nicht 0815 sondern das hier ist echte Qualität!"


Horst Winterstein
Horst Winterstein
Gerhard Kemmerer
Gerhard Kemmerer