Eigentumsverhältnisse

Eine Besonderheit und gleichzeitig schwere Hypothek ist in der Eigentümerstruktur begründet. Über diese 1019 Wohnungen verfügen 630 Eigentümer mit teilweise sehr unterschiedlichen Interessen. Es handelt sich dabei um eine Erbbauberechtigten-gemeinschaft nach WEG (Wohneigentumsgesetz). Zu Beginn der Sanierung waren es sogar 700 Eigentümer.

Über die Jahre ist es im Rahmen der Programms Soziale Stadt gelungen, den Anteil der selbst nutzenden Eigentümer deutlich auf inzwischen 250 zu erhöhen. Diese Entwicklung ist ein wichtiger Beitrag zur Stabilisierung des Gebietes.

Um im Rahmen des Programms Soziale Stadt auf die Eigentümergemeinschaft und zugleich auf die Einwohnerstruktur einwirken zu können, haben die Kreisstadt Dietzenbach gemeinsam mit der Nassauischen Heimstätte im Jahre 2000 die Wohnungsgesellschaft Dietzenbach mbH gegründet und neben anderen Beständen derzeit knapp über 90 Wohnungen in der Wohnanlage erworben.

Bewirtschaftet wird die Wohnanlage durch eine von der Erbbauberechtigtenversammlung bestimmte Hausverwaltung. Die Hausverwaltung stellt im Sanierungsprozess daher einen wichtigen Partner dar. Hier kam es in der Vergangenheit jedoch immer wieder zu Wechseln und somit für den Prozess empfindlichen Brüchen.

Marion Schmitz-Stadtfeld

Frau Schmitz-Stadtfeld ist Leiterin des Geschäftsfeldes Integrierte Stadtentwicklung bei der Nassauischen Heimstätte, Frankfurt am Main, und seit 1997 die verantwortliche Projektleiterin für die Sanierung des Spessartviertels.

"Im Spessartviertel in Dietzenbach haben wir es mit den Folgewirkungen einer ausschließlich am Kapitalmarkt orientierten Wohnungseigentumsbildung zu tun. Diese in den 70-iger Jahren entstandene städtebauliche Konstellation führt seither zu beispielhaften gesellschaftlichen Konfliktlagen. Die Themen unserer langjährigen Arbeit dort sind derzeit sehr en vogue und könnten einen geradezu zu der selbstgerechten Einschätzung verleiten, dass man in Dietzenbach die Chance hat, an großen gesellschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit arbeiten zu dürfen. Vor dem Hintergrund einer derzeit beachtlichen Privatisierungsoffensive von Wohnraum in der Bundesrepublik Deutschland ist zu befürchten, dass zukünftig auch andernorts Eigentümergemeinschaften entstehen werden, die, wie hier in Dietzenbach, (...) durch Modelle dieser Art gesellschaftliche Folgekosten produzieren, die unkalkulierbar sind.

Eigentumsbildung schafft normalerweise Verantwortung und stiftet Identität. Darüber hinaus ist sie ein wichtiger volkswirtschaftlicher Indikator für den Wohlstand einer Gesellschaft. Vernachlässigung dieses Eigentums auf Kosten Anderer (z. B. der Mieter oder auf Kosten der öffentlichen Hand), nachvollziehbare Machenschaften, wie die der amerikanischen Slumlords, die auch hier immer häufiger vorzufinden sind, diskreditieren diesen ansonsten wertvollen wirtschaftlichen Impuls. Dass dies alles nichts mit den Menschen, die dort leben, zu tun hat, möchten die allermeisten Betrachter bis heute, nach 30 Jahren Spessartviertel, leider immer noch nicht einsehen. (...)"


Marion Schmitz-Stadtfeld
Marion Schmitz-Stadtfeld