Strukturen und Netzwerke

Ein solch komplexer Prozess wie die Sanierung und Stabilisierung eines stigmatisierten Stadtteils wie dem des östlichen Spesartviertel braucht stabile und transparente Strukturen, um dauerhaft Vertrauen bei den Beteiligten aufbauen und damit Erfolg bei der Erreichung möglichst gemeinsam gesteckter Ziele erzielen zu können. Kein leichtes Unterfangen bei über 600 involvierten Erbbauberechtigten.

Informelle Netzwerke

Mit der Aufwertung des Quartiersmanagements durch einen im Stadtteilbüro präsenten Quartiersmanager vor Ort wird ein wichtiges Element der Beteiligung gestärkt. In den fünf Hochhäusern spielen aufgrund der vielen vertretenen Nationen informelle Netzwerke eine bedeutende Rolle in der Kommunikation.

Erst im unmittelbaren Kontakt und Austausch mit den Menschen im gemeinsamen Alltag werden die Ursachen für bestimmte Probleme und Konflikte überhaupt erst sichtbar und nachvollziehbar.

Strukturen der Eigentümervertretung

Erbbauberechtigtenversammmlung - Die Erbbauberechtigten dieser Wohnungsanlage bilden in ihrer Gesamtheit eine Erbbauberechtigtengemeinschaft nach deutschen Wohneigentumsgesetz (WEG). Deren oberstes Organ ist die Erbbauberechtigtenversammmlung. Sie ist zuständig für die Beschluss- und Willensbildung sowie die ordnungsgemäße Verwaltung der Wohnanlage. Weitere Organe sind die durch Wahl bestimmte Hausverwaltung und der Verwaltungsbeirat. Regelungen, die über die ordnungsgemäße Verwaltung hinausgehen, - wie z.B. bauliche Änderungen - müssen durch alle Erbbauberechtigten beschlossen werden. Ein elementarer Bestandteil der Arbeit des Quartiersmanagements war es daher, zunächst die Erbbauberechtigten für ein gemeinsames Instandsetzungs- und Modernisierungskonzept zu gewinnen, das einstimmig beschlossen wurde.

Sanierungsausschuss - Neben den Organen Erbbauberechtigtenversammlung und Verwaltungsbeirat wurde mit dem Sanierungsausschuss eine legitimierte Vertretungsstruktur installiert. Der Sanierungsausschuss beschäftigt sich stellvertretend mit der Operationalisierung der beschlossenen Modernisierungs- und Instandsetzungsvereinbarungen. Unter der Leitung des Quartiersmanagements wurde hier in inzwischen weit über 60 Sitzungen die Umsetzung der einzelnen Maßnahmen vorbereitet und vorangetrieben.

Strukturen der Bewohnervertretung

Im Hinblick auf die Vielzahl von Nationalitäten und Kulturen in der Wohnanlage ist die Partizipation und Aktivierung der Bewohnerinnen und Bewohner sowohl bei den Modernisierungsmaßnahmen in und an den Gebäuden wie auch bei der Neugestaltung der Außenanlage in besonderer Weise schwierig wie gleichsam wichtig.

Maßnahmen bezogene Beteiligung - Bereits die erste Sanierungsmaßnahme, die Freiraumgestaltung der Kindertagesstätte "Kinderburg", ist sowohl in der Planung wie auch in der Durchführung unter engagierter Beteiligung der Eltern und Bewohnerinnen und Bewohner erfolgt. Auch die Modernisierungsmaßnahmen und Neugestaltung der Außenanlage wurden durch Einbeziehen von Selbsthilfe der Eigentümerinnen und Eigentümer und Bewohnerinnen und Bewohner durchgeführt.

Institutionalisierten Kommunikationsstrukturen - Parallel dazu gab und gibt es klar strukturierte Kommunikationsstrukturen, in der Vertreter der unterschiedlichen, gesellschaftlichen Gruppen zusammen über Ziele und konkrete Projekte diskutieren.

Lenkungsgruppe Soziale Stadt - Die Projektsteuerung des Programms Soziale Stadt erfolgt durch eine Lenkungsgruppe, bestehend aus Vertretern der Stadtverwaltung und der mit dem Quartiersmanagement beauftragten NH-Projektstadt.

AG Spessartviertel - Als Instrument der Politikberatung und Vernetzung der für das Gebiet relevanten Organisationen wurde die AG Spessartviertel gemeinsam von Bürgermeister, Landrat und Polizeipräsident ins Leben gerufen.

LOS Begleitausschuss - Dieser Ausschuss ist verantwortlich für die Projektauswahl, inhaltliche Begleitung und Kontrolle der im Rahmen  Förderprogramm Lokales Kapital für Soziale Zwecke geförderten Mikroprojekte.

Stadtteil- und BewohnerInnengruppen - Durch die Einrichtung eines Stadtteiltreffs konnten verschiedene Gruppen angestoßen werden, die sich dem Austausch und dem besseren gegenseitigen Kennenlernen widmen. Hier soll versucht werden, in den nächsten Jahren eine Stabilisierung der Gruppen zu erreichen und für eine stärke Öffnung hin zu mehr Engagement für den Stadtteil geworben werden.